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Filtern von Sound


 Autor
Nachricht 
Verfasst am: 02.02.2010
Goonies
Themenersteller
Dabei seit: 26.06.2009
Beiträge: 15
Liebe audiyou-Gemeinde,
liebe Profis,

also, Kaffee filtern kann ich schon. Da leuchtet mir das Prinzip auch ein.
Auch im "Real-Life" aus einem Stimmgewirr mit bloßen Ohren die Stimme meiner Tochter herausfiltern geht gut...

Aber: In aller Regel habe ich es ja beim Fieldrecording mit einer ganzen Kulisse an Geräuschen zu tun. Will ich nun ein Geräusch hervorheben, so beadarf es der Filterung – so wie die menschliche Wahrnehmung das auf psychischem und neuronalem Weg macht, klappt das ja leider bei elektronisch konserviertem Tonmaterial nicht...

Nun meine Frage: Könnt Ihr eine kleine (ich weiß das Thema ist komplex), allgemein gültige Einführung zum Thema Filtern geben?
- Welche Filtermethoden gibt es?
- Wozu taugt ein Kompressor
- Was macht ein Leveler?
- Was bedeutet Normalisieren?
- Wie könnte man aus einem Stimmgewirr das Klingeln eines Telefons herausarbeiten?

Vielleicht sind die Fragen ja auch ganz doof, dafür vorab schon mal Entschuldigung.

In der Hoffnung, dass der eine oder die andere das bestimmt ganz toll erklären kann,
warte ich jetzt hier hinter'm Bildschirm auf Antwort icon_wink.gif

Euer Georg

[Dieser Beitrag wurde 2mal bearbeitet, zuletzt am 02.02.2010 um 17:08.]
Verfasst am: 04.02.2010
stephanie65
Dabei seit: 20.12.2007
Beiträge: 15
Gute Fragen, würde mich auch mal interessieren! icon_rolleyes.gif
Verfasst am: 02.03.2010
maushausstudio
Dabei seit: 28.02.2010
Beiträge: 6
Hi Georg,

also, filtern bedeutet, bestimmte Frequenzanteile (im enfachsten Falle Bässe und Höhen) anzuheben oder abzusenken. Bass- und Höhenregler hast du ja fast an jedem Verstärker oder Radio. Das ist aber ziemlich ungenau. Stell dir nun vor, man hätte je drei Regler für die Bässe, also ganz tief, mitteltief und "hochtief" icon_razz.gif und das ganze so weiter bis zu den höchsten Höhen. Das gab es früher als Gerät, nannte sich Equalizer und hatte bis zu 30 Schieberegler, die genau das machten. In einigen Soundbearbeitungsprogrammen hat man das auch nachgebildet, auch im kostenlosen iTunes.
Dann gibt es auch "parametrische" Equalizer, die gehen anders. Du hast 2 Regler: einer bestimmt die Tonhöhe (also die Frequenz), und der zweite, was damit werden soll (also anheben oder absenken). Der erste ist meist in Hz (Hertz) oder kHz (Kilohertz) geeicht, der zweite in dB (Pegel).
Ein Beispiel: Frequenzregler auf 125 Hz ("mittlerer" Bass), 2. Regler auf -10dB (dezibel -> der Pegel ist gemeint) bewirkt eine Absenkung.

Auch dieser Filter wird in manchen Soundbearbeitungsprogrammen nachgebildet. Achte darauf, daß das Programm eine "Vorhör-Funktion" hat, das heißt, man kann die Regler verstellen und SOFORT hören, wie sich das auswirkt, ehe es endgültig angewendet wird.

Manchmal wird der Filter auch als Kurve dargestellt, die auf der X-Achse die oben erwähnten Frequenzen aufgetragen hat. Oftmals kann man dann per Mausklick an der Kurve "anfassen". Hochziehen=lauter, runterziehen=leiser.

Hier mal die wichtigsten Frequenzbereiche:
30 - 100 Hz - Tiefbass, hier sitzen z.B. die Drums
100 - 250 Hz - mittlerer / hoher Bass, z.B. Bassgitarre
250 - 3000 Hz (= 3 kHz) Mittenbereich - hier sitzt die Sprache und die meisten Instrumente
3000 - 10000 Hz (= 3 kHz - 10 kHz) - Höhen, z.B. Zischlaute, Becken usw.
über 10000 Hz - kaum noch hörbar, dann kommt ab 20000 Hz der Ultraschall, der ist nicht mehr hörbar.


Der Kompressor:
Stell Dir vor, du hast zwei Leute auf der Bühne, die Du aufnehmen musst.
Der eine hat eine Triangel und der andere eine Trompete.
Beide spielen abwechselnd.
Wenn Du jetzt den Mikroregler auf einen Mittelwert stellst, ist wahrscheinlich die Triangel zu leise und die Trompete zu laut.
Der Kompressor würde jetzt bei der Trompete automatisch runter- und bei der Triangel automatisch hoch-regeln, so daß beide gut ausgesteuert werden.

Der "Leveler" macht wahrscheinlich den Regler automatisch zu, wenn eine bestimmte Lautstärke überschritten wird.

"Normalisieren" (seeehr wichtig!) bedeutet, daß die Aufnahme NACHTRÄGLICH auf einen sogenannten "Normpegel" von -3dB bzw. 0dB angeglichen wird. Das ist wichtig, damit z.B. bei einem Mehrspurprojekt erstmal alle Spuren "gleichlaut" sind.
Damit kann man dann erstens beim Endmix die Verhältnisse untereinander besser einstellen und zweitens vermeidet man Übersteuerung (zu laut) oder Rauschen (zu leise).

Das Telefon liegt klanglich im Mittenbereich, also irgendwo zwischen 500 und 1000 Hz. Such dir einenen Filter, mit dem Du diesen Bereich vorsichtig anheben kannst.

Es ist übrigens gerade bei Atmo-Aufnahmen wie Fioeldrecording oftmals gut, den Tiefbassbereich bis 150 Hz etwas abzusenken, da liegt das Brummeln von Motoren, Windgeräusche und so, das mindert alles die Verständlichkeit.

Ciao, Hannes aus Dresden (auch an der Elbe)

Verfasst am: 03.03.2010
Goonies
Themenersteller
Dabei seit: 26.06.2009
Beiträge: 15
Lieber Hannes,
das ist ja eine tolle Antwort und das sind gute Bilder, die Du zur Erklärung gewählt hast!!!
Ja, das macht einiges deutlich.

Beim Filtern mittels Equalizer hatte ich jedoch ganz oft den Eindruck, dass sich von mir gewünschte Geräusche oft nicht so gut "herausschälen" lassen, weil sie ja in aller Regel nicht aus einer Frequenz, sondern aus einer Synthese aus vielen verschiedenen Freuquenzen bestehen, so dass neben den unerwünschten meist auch vom Nutzsignal einige Bestandteile "flöten" gehen.

Was mache ich zum Beispiel bei einem Katzenmiauen, was durch die üblichen Umgebungsgeräusche unterlegt ist? Gibt es da Möglichkeiten so ein "Signal" irgendwie freizustellen, ohne dass das Miauen extrem darunter leidet?
Ich kann mir vorstellen, dass diese Frage viel zu speziell ist um als Beispiel herzuhalten, aber ein Versuch ist es doch Wert, jetzt, wo Du Dich als Profi geoutet hast icon_wink.gif

Vielen Dank schon mal für die bisherige Antwort
und große Vorfreude auf Deine nächste...

Georg
Verfasst am: 03.03.2010
maushausstudio
Dabei seit: 28.02.2010
Beiträge: 6
Lieber Georg,

danke erstmal (*rotwerd*) icon_redface.gif neenee, mein Geld verdien ich (leider) nicht damit. Aber lieber ein schönes Hobby, als wenn da einer mit der Knute hinter dir steht. ----

Ja, mal zu Deiner Frage. Es gibt ja immer mehrere "Wege nach Rom". Prinzipiell kann man, um ein Klangereignis deutlicher zu machen,
- entweder, diesen Klangbereich hervorheben
- oder, die "nicht so wichtigen" oder "störenden" Anteile absenken;
meist macht man dann sogar beides.

Katzenmiauen (ich würde Deine Aufnahme jetzt am liebsten mal hören) sollte eigentlich einen relativ schmalen Frequenzbereich belegen, und liegt wahrscheinlich sogar über dem einer normalen Jungs-Stimme. Wenn Du jetzt einen parametrischen EQ hättest, würdest Du den Pegelregler enteder sehr hoch (anheben) oder sehr tief (absenken) einstellen und dann den Frequenzregler langsam von sagen wir mal 300 Hz (alte Katze) bis 1000 Hz (Katzenbaby) durchdrehen und hören, was passiert. Wenn Du den Frequenzbereich erwischt hast, wäre die Katze beim Anheben überdominant und beim Absenken wäre sie weg. BTW: 0 dB ändert nix, egal, welche Freuenz eingestellt ist; -x dB senkt ab, +x dB hebt an. Deswegen nimmt man zum Frequenzfinden einen Extremwert, weil der Filter dann "steil" (man könnte auch "brutal" sagen) arbeitet und man schneller merkt, was passiert. Dann geht man mit dem Pegel wieder in Richtung 0 dB zurück, bis Harmonie einkehrt.

Deswegen bevorzuge ich parametrische EQ's, weil man schneller ist.

Ich bin sogar noch schlimmer. Ich hab noch so ein altes 24-Kanal-Analogmischpult von Zeck. (gibt's die überhaupt noch???) da habe ich zwei solche EQ's für die Bässe und die Mitten pro Kanal. Ich teste es meist am Mixer, was ich will, und übertrage dann die Werte in den EQ von meinem Schnittprogramm.

Wenn nun aber genau im selben Frequenzbereich, in dem die Katze miaut, noch irgendwas anderes passiert, was zu laut ist, sieht's bissel schlecht aus, weil, wie Du selber schon geschrieben hast, gibt es m.E. noch keine "Klangmuster-Erkennung" (zumindest keine, die wir bezahlen können... wie es hingegen bei Schäuble's Anti-Terroristen-Team aussieht - leider keine Ahnung!)

Soweit für jetzt, salut,

der Hannes.
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